10ter Dezember 2011 – der Zähler zeigt 100 Tage und die erste Hälfte von 960 Arbeitsstunden und 6 Monaten Praxissemester liegt in der Vergangenheit.
Jeden Tag sehe ich Wireframes, Präsentationen, Skizzen, Flowcharts, Pläne für dies und das, schematische Herleitungen und und und … Devilerables dienen der Kommunikation und somit als eine Art Ersatz für Sprache. Genauer gesagt sind sie weniger ein Ersatz, als eine Ergänzung bzw. ein unterstützendes Mittel. Aber der erste Schritt zu einer Lösung ist immer das mentale Gespräch mit mir selbst. Wir diskutieren innerlich, spielen mögliche Szenarien in Form von Bildern und Geschichten durch, wägen die Konsequenzen ab um letztendlich, wie beim Schach, den vorteilhaftesten Zug zu tätigen und unsere Ausgangsposition für den weiteren Spielverlauf zu optimieren.
Doch mir selbst Sachverhalte zu erläutern ist denkbar einfach. Ich weiß was ich denke, kenne meine Vokabeln und Tonalität und bin mir zumindest unterbewusst im Klaren darüber, welche Teile der Problemstellung ich vernachlässige und welche ich priorisiere.
Meine Kommunikation mit Kollegen, Partnern und Kunden ist dagegen viel komplexer. Erläuterungen müssen lückenlos oder zumindest nachvollziehbar sein. Plötzlich rede ich nicht mehr mit mir selbst und muss mir Strategien überlegen wie ich verständlich kommuniziere ohne zuviel Zeit zu verlieren. Selbst zu wissen, dass man auf einem richtigen Weg von vielen ist, reicht nicht aus. Ich muss verständlich machen, weshalb es ein möglicher Weg ist, der gegangen werden kann. Neben dem »was« spielt ebenfalls das »wie« eine wichtige Rolle: Wir reden von Inhalt & Form, Botschaft & Tonalität oder Information & Medium.
Jedes komplexe Problem hat mindestens eine Lösung die einfach, einleuchtend und falsch ist.
Oder im Umkehrschluss:
Jedes komplexe Problem hat mindestens eine korrekte Lösung die ganzheitlich, durchdacht, umfangreich und ausdefiniert ist, doch niemand versteht.
Klingt fast ein bisschen nach Politik oder Finanzwesen, aber beide Formulierungen zeigen auf, dass es von Bedeutung ist Situationen im richtigen Maß zu verbalisieren.
»Mir gefällt das so aber besser.«
Oberflächliche Formulierungen sind nicht zwingend naiv oder dumm, sie zeigen aber, dass noch kein Verständnis für die innere Verzwicktheit der Aufgabenstellung entwickelt wurde. Aussagen ohne Begründungen sind schlichtweg nicht nachvollziehbar. Andererseits ist nicht jede Begründung automatisch sinnvoll und passend zur Situation gewählt.
»Diverse Studien bestätigen, dass …«
Ich glaube, dass umfangreiche Ausführungen einer Problematik nur sehr schwer durchdrungen werden können und sowohl Zeit, Energie als auch Intellekt erfordern. Wie so oft ist wohl ein Mittelweg aus Komplexität und Vereinfachung die beste Lösung: Simplicity.
Meine sprachlichen Fähigkeiten sind immer ein Zeichen dafür wie sehr sich eine Thematik verinnerlicht hat, ob ich die wichtigsten Stellschrauben verstanden habe und ob ich in der Lage bin mein Verständnis auf andere zu übertragen. Dabei geht es überhaupt nicht um Recht oder Unrecht, sondern um den Prozess als solchen. Letztendlich ist der erste Entwurf immer falsch bzw. unvollständig. Erst verschiedene Blickwinkel und Korrekturrunden lassen die gesähten Ideen gedeihen und wachsen.
Kurz gesagt:
Ich studiere Kommunikationsdesign im 7ten von 8 Semestern und bemerke, dass ein Grundwissen über positive und konstruktive verbale Kommunikation mindestens genauso bedeutsam ist wie Ideenreichtum und konzeptionelle Fähigkeiten.